HANNOVER. Landesumweltminister Olaf Lies stellte heute in einer Pressekonferenz Herausforderungen und Perspektiven dar, Wälder und Moore Niedersachsens in Zeiten des Klimawandels zu erhalten. Aufgrund drohender Folgen wie Überschwemmungen, Dürren oder baumloser Gebirgslandschaften fordert Minister Lies einen bundesweiten „nationalen Generalplan“ zum Klimaschutz mit unter anderem einem konsequenten Ausstieg aus der Kohle sowie naturnaher und ökologischer Umgestaltung von Wäldern. Laut Lies müssen außerdem mehr Bäume in Forsten und in Stadtgebieten angepflanzt werden.

Der NABU Niedersachsen begrüßt diesen Vorstoß, macht aber auch deutlich, dass dazu mehr gehöre, als nur Bäume anzupflanzen. „Unseren Wäldern muss die Gelegenheit gegeben werden, sich in Ruhe entwickeln zu können. Die derzeitige Form der überwiegend betriebenen Forstwirtschaft hat unsere Wälder nicht fitter für den Klimawandel gemacht. Nun ist es notwendig, auf ein ökologisch orientiertes Konzept zu setzen“, stellt Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, fest. Darüber hinaus müssten den Worten des Ministers auch Taten folgen, Schuldzuweisungen an die Bundesregierung und die EU alleine reichten nicht aus. „Ein genauer Zeitplan fehlt bei der Ankündigung des Ministers genauso wie konkrete Vorschläge dazu, wie die Wälder und Moore Niedersachsens erhalten werden sollen“, kritisiert Dr. Buschmann.

Zu lange schon wurden und würden beispielsweise Niedersachsens Moore großflächig zerstört. Dabei seien gerade die Moore als CO2-Senken für den Klimaschutz enorm wichtig und bänden weltweit ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffes – doppelt so viel wie alle Wälder dieser Erde zusammen, obwohl die Moore zusammen lediglich drei Prozent der globalen Landfläche einnähmen. Speziell für Niedersachsen habe der Moorschutz hohe Relevanz, denn Niedersachsen ist Moorland Nr. 1 in Deutschland. Nicht verwunderlich sei daher, dass rund 12 Prozent der niedersächsischen Treibhausgase aus entwässerten Mooren stammen. Eine 15 cm Torfschicht enthalte auf gleicher Fläche ungefähr gleichviel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald. Geht also in einem Moor die Torfmächtigkeit um einen Meter zurück, müsste zum Ausgleich das sechsfache an Fläche aufgeforstet werden und 100 Jahre ungestört wachsen.

Der Umweltminister habe erkannt, dass im Forst schnell wachsende Monokulturen und exotische Baumarten vollkommen unangebracht sind und die bisherige Forst-Strategie somit nicht mehr fortgeführt werden kann. Die Entnahme von vom Borkenkäfer verlassenen Bäumen sei keine Antwort auf die zunehmenden Belastungen durch den Klimawandel oder auch Borkenkäfer-Befall. Das trage dazu bei, dass sich kein stabiles Waldökosystem entwickeln kann und anfälliger werde für extreme Wettersituationen, wie sie in den letzten zwei Jahren bereits auftraten.

Schon zuvor hatte sich der NABU Niedersachsen dazu geäußert, dass die großmaschinelle Räumung von geschädigten Waldflächen und folgende Pflanzung von Baumschulpflanzen in Reih und Glied alles nur noch viel schlimmer mache. Dadurch wird die Entwicklung eines neuen stabilen Waldökosystems verhindert und alte Fehler werden wiederholt. Um das zu verhindern, vertritt der NABU Niedersachsen folgende Positionen, die von Landesumweltminister Lies beachtet werden sollten:

· Eine großmaschinelle Räumung oder gar Bodenbearbeitung von geschädigten Waldflächen ist abzulehnen, darf nicht mit Steuermitteln finanziert werden und entspricht nicht einer guten fachlichen Praxis

· Vorrang für Naturverjüngung
· Vorrang für Laubbäume, die den Boden verbessern und mehr Grundwasser entstehen lassen
· Nutzung von „Vorwäldern“ aus Pionierbaumarten (Hänge- und Moor-Birke, Espe, Salweide, Vogelbeere, Schwarzerle), um die Standort-Devastierung der Schadflächen (Humus- und Nährstoffverlust, Erosion, Verlust des kühlen Waldbinnenklimas) und die begleitenden Umweltschäden (Nitratauswaschung, Emission klimaschädlicher Gase, beschleunigter Wasserabfluss, Sedimentaustrag, fehlende CO2-Bindung) möglichst schnell abzumildern.
· Ökosystemverträgliche Jagdausübung zur Sicherung der Gehölz-Verjüngung

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