HANNOVER. Der Flug war verspätet, das Hotelzimmer verdreckt und die Kinderbetreuung ist ausgefallen? Werden gebuchte Leistungen nicht erbracht, können Kunden den Reisepreis mindern. Doch was genau gilt als Reisemangel? Die Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt Tipps und erklärt, worauf Betroffene achten sollten.

„Eine Reise ist mangelhaft, wenn die Reiseleistung nicht wie vereinbart erbracht wird – etwa die Hotelbeschreibung nicht der Realität entspricht“, erklärt Mona Maria Semmler, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Oft merkten Kunden vor Ort, dass der versprochene Meerblick verbaut ist, eine Kinderbetreuung nicht angeboten oder die Urlaubsruhe durch Baustellenlärm gestört wird. In diesen Fällen könnten sie eine Minderung des Reisepreises fordern. Wie hoch diese ausfällt, richte sich nach der Art und Schwere der Beeinträchtigung. Orientierung bietet zum Beispiel die „Frankfurter-Tabelle“ oder die „ADAC-Tabelle“. „Bei gravierenden Mängeln besteht sogar die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen oder Schadenersatz zu verlangen“, so Semmler.

Wichtig ist es, die Mängel zu dokumentieren, noch vor Ort dem Veranstalter mitzuteilen und ihn aufzufordern, sie zu beseitigen. Nach der Rückkehr sollten sämtliche Ansprüche per Einschreiben geltend gemacht und Belege beigefügt werden. „Das neue Reiserecht sieht hierfür eine Frist von zwei Jahren vor. Wir raten jedoch dazu, sofort tätig zu werden, da es mit der Zeit immer schwieriger wird, Nachweise zu erbringen“, sagt Semmler.

Geänderte Flugzeiten und annullierte Flüge
Zum Leid vieler Verbraucher sind vom Reiseveranstalter angekündigte Flugverschiebungen um wenige Stunden häufig nur „Unannehmlichkeiten“, die keine Minderung des Reisepreises rechtfertigen. Ausnahme: Es handelt sich um unzumutbare Änderungen. „Wird etwa die Nachtruhe erheblich beeinträchtigt oder ist der nächste Tag betroffen, kann auch hier ein Reisemangel vorliegen“, so Semmler.

Bei Flugverspätungen oder plötzlichen Stornierungen sollten Flugreisende – egal ob Individual- oder Pauschalurlauber – prüfen, ob sie Ansprüche aus der Fluggastrechte-verordnung gegenüber der Airline haben. Je nach Dauer der Verspätung und Entfernung können ihnen Entschädigungszahlungen von bis zu 600 Euro zustehen. Wie der BGH kürzlich entschieden hat, gibt es jedoch keine „doppelte“ Entschädigung: Ansprüche gegen Airline und Reiseveranstalter werden miteinander verrechnet.

Weitere Tipps und Informationen zum Umgang mit Reisemängeln unter
www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/themen/freizeit-reise/reisemaengel-aerger

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