Über Stock, Stein und Straßen: Amphibien wandern im Landkreis Lüneburg

Umwelt Von Extern | am Sa., 06.03.2021 - 15:03

LÜNEBURG. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, regt sich abends etwas auf den Straßen im Landkreis Lüneburg. Kröten, Frösche und Molche erwachen aus ihrer Winterstarre und treten auch in diesem Jahr wieder eine gefährliche Wanderung an. Um zu ihren Laichplätzen zu gelangen, führt ihr Weg sie oftmals über den Asphalt. Damit die Tiere nicht von Autos erfasst werden, lässt der Landkreis Lüneburg auch 2021 wieder an einigen Stellen Schutzzäune aufstellen – dennoch gehen die Amphibienbestände in der Region zurück.

„Die letzten beiden Sommer waren sehr trocken“, berichtet Burkhard Jäkel nachdenklich. Seit den 1980er Jahren engagiert sich der Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Naturschutzbehörde beim Landkreis Lüneburg für den Amphibienschutz und kennt die Gefahren für Laubfrosch und Kreuzkröte. „Die Trockenheit hat natürlich einen Einfluss auf einige Feuchtgebiete in der Region“, sagt er. Teich, Tümpel und Wassergräben sind für Amphibien jedoch überlebenswichtig. Ab Februar jeden Jahres beenden die Tiere ihre Winterstarre und brechen bis zum Mai zu den Gewässern auf. Dort legen sie ihren Laich ab. Auf dem Weg kommt es aber nicht selten vor, dass Straßen zum Hindernis für die Tiere werden. Autofahrer übersehen sie schnell – eine enorme Gefahr für den Amphibienbestand, der auch durch diese Umstände in den vergangenen Jahren bereits zurückgegangen ist.

Um Molch, Frosch und Kröte eine sichere Wanderung über die Straßen zu ermöglichen, hat der Landkreis Lüneburg 2021 fünf provisorische Zäune an besonders stark von Amphibien besiedelten Orten aufgestellt. Diese stehen unter anderem am Ortsausgang Embsen Richtung Melbeck, an der Hasenburg sowie am Ortsausgang Radbruch Richtung Winsen. Die Zäune sollen verhindern, dass die Tiere die Straße einfach überqueren. Die Amphibien landen in Auffangeimern und werden dann im Nachhinein per Hand über die Straße getragen, sodass ihnen nichts passiert. „Die Zäune aufstellen geht recht fix. Sich aber dann täglich darum zu kümmern und zu kontrollieren – das ist das A und O“, betont Burkhard Jäkel. Zum Glück helfen auch weitere Organisationen wie der NABU beim Aufstellen von Zäunen in ganz Niedersachsen. Einige feste Krötentunnel gibt es im Landkreis Lüneburg ebenfalls – zum Beispiel an der Ostumgehung B 209 bei Deutsch Evern. Dort unterqueren die Amphibien die Fahrbahn durch einen eingerichteten Zugang zur anderen Straßenseite. An der Hasenburg wurden auf Hinweis des NABU die Bordsteine an den Bürgersteigen abgesenkt – denn auch die können zur unüberwindbaren Hürde für Kröten werden.

Ob diese Hilfen den Amphibienbestand langfristig wieder aufpäppeln, bleibt abzuwarten. „An einigen früher bewanderten Stellen ist mittlerweile keine Kröte mehr zu sehen sind“, stellt Burkhard Jäkel fest, der in diesem Jahr das letzte Mal vor seinem Ruhestand die Wandersaison betreut. „Ich kann nur an Autofahrerinnen und Autofahrer appellieren, abends noch einmal einen besonderen Blick auf die Straße zu werfen. Die Tiere sind für das Ökosystem erheblich – wir müssen sie weiter schützen.“

Mehr Informationen zur Amphibienwanderung im Landkreis Lüneburg gibt es unter www.landkreis-lueneburg.de/kröte.