AstraZeneca-Impfungen gestoppt: Corona-Impfzentrum setzt etwa die Hälfte aller Impfungen aus

Medizin Von Extern | am Mo., 15.03.2021 - 19:26

LÜNEBURG. Wegen möglicher Nebenwirkungen wird vorerst niemand mehr in Deutschland mit dem Wirkstoff von AstraZeneca gegen COVID-19 geimpft. Diese plötzliche Nachricht stellt auch das Corona-Impfzentrum in Lüneburg vor enorme organisatorische Herausforderungen. Laufende Prozesse müssen von einer Minute auf die andere gestoppt und umorganisiert werden, viele Fragen sind noch offen.

Dazu erklärt Landrat Jens Böther: „Sicherheit geht vor, dieser Grundsatz hat immer höchste Priorität. Dennoch ist das plötzliche Aussetzen der Astrazeneca-Impfung natürlich ein herber Rückschlag - sowohl für die Menschen, die auf die Impfungen warten, als auch für das Corona-Impfzentrum in Lüneburg, das nun statt impfen Termine absagen muss.“ Denn ein Großteil der Impfungen sei für die kommenden Tage mit AstraZeneca vorgesehen gewesen, diese werden nun alle gestrichen - und zwar so lange, bis der Bund über das weitere Vorgehen entscheidet.

Wie geht es nun mit den Impfungen im Landkreis Lüneburg weiter?

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Wer ab morgen einen Termin im Corona-Impfzentrum hat und diesen Termin nicht über den Arbeitgeber vereinbart hat, kann sich ganz normal auf den Weg machen: Diese Personengruppe erhält wie vorgesehen die Erst-  beziehungsweise Zweitimpfung mit dem Wirkstoff Biontech.
  • Ebenso impfen die mobilen Teams morgen wie geplant zwei Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands - auch dort gibt es keine Einschränkungen.
  • Die für diese Woche vorgesehenen Impfungen von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften und medizinischem Personal fallen aus. Die Einrichtungen werden dazu vom Impfzentrum kontaktiert.
  • Menschen, die im Rahmen einer Erstimpfung bereits AstraZeneca erhalten haben, müssen sich bezüglich des weiteren Vorgehens etwas gedulden. Hier wartet das Impfzentrum auf die Entscheidung der Bundesregierung.  Da der Zeitraum zwischen den beiden Impfungen auf zwölf Wochen ausgeweitet wurde, stehen im Landkreis Lüneburg keine unmittelbaren Zweitimpfungen an.

„Wir rechnen in den nächsten Tagen nicht mit vergeblich wartenden Menschen vor dem Corona-Impfzentrum“, sagt Mirko Dannenfeld, Leiter des Corona-Impfzentrums. „Denn diejenigen, die die Absage kurzfristig trifft, können wir erreichen.“ Dennoch verändern sich die Abläufe und die Personalplanungen für ihn und sein Team komplett: „Wir waren auf dem Weg, wöchentlich 5.000 Menschen impfen zu können, haben uns jede Woche mit den Zahlen gesteigert. Nun werden wir mit dieser Nachricht zurückgeworfen. Das betrifft auch den geplanten Impfstart der zweiten Priorisierungsgruppe Anfang April.“

Bei der Entscheidung, die Impfungen mit dem Wirkstoff AstraZeneca auszusetzen, handelt es sich nach Aussagen des Bundesgesundheitsministeriums um eine Vorsichtsmaßnahme. Hintergrund dafür sind Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa. Bei bislang mehr als 1,6 Millionen Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff in Deutschland gebe es sieben Fälle, die in Zusammenhang mit Thrombosen der Hirnvenen stehen könnten. Zum Vergleich: Einem Bericht der Stiftung Warentest ist zu entnehmen, dass bei der Verhütung mit der Anti-Baby-Pille je nach Präparat zwischen 5 bis 11 unter 10.000 Frauen eine Thrombose der Beinvene oder eine Lungenembolie erleiden.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens sagt zur Aussetzung des AstraZeneca-Impfstoffs: „Die Sicherheit und Gesundheit der Menschen geht vor, das ist vollkommen klar. Deswegen ist die Entscheidung des Paul-Ehrlich-Instituts absolut nachvollziehbar und richtig, die Impfungen mit AstraZeneca zunächst auszusetzen. Das wirft uns in der Impfkampagne natürlich wieder ein Stück zurück. Dennoch ist es absolut unerlässlich, dass das PEI den Fällen jetzt akribisch auf den Grund geht und mögliche Zusammenhänge zwischen der Impfung und aufgetretenen Hirnvenen-Thrombosen aufdeckt bzw. ausschließt. Solange wird Niedersachsen die Impfungen mit AstraZeneca aussetzen. Die kommunalen Impfzentren haben wir soeben darüber informiert, dass ab sofort keine weiteren Impfungen mit diesem Wirkstoff vorzunehmen sind.“

Das PEI weist darauf hin, dass sich Personen, die den COVID-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen z.B. mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollen.

Der Impfstopp werde sich auf das Vorankommen der Schutzimpfungen in Niedersachsen auswirken. Die Impfungen mit AstraZeneca wurden gestoppt. Alle anderen Impfungen mit Impfstoff der Firmen BioNTech und Moderna laufen weiter. Welche konkreten Folgen, wie etwa der Umgang mit Lagerbeständen oder neue Terminvergaben etc., sich aus der Entscheidung ergeben, werde jetzt analysiert und bewertet. Nach Mitteilung des Bundes wird die Europäische Arzneimittelbehörde EMA entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.

Stand heute wurden nach Niedersachsen 295.200 Impfdosen AstraZeneca ausgeliefert. 134.549 Dosen wurden verimpft.

Sobald die Bundesregierung über das weitere Vorgehen entscheidet, wird der Landkreis Lüneburg darüber informieren. Alle aktuellen Informationen zum Corona-Virus gibt es außerdem unter corona.landkreis-lueneburg.de.