BUND fordert konsequentes Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten

Überregional Von Redaktion | am Mi., 19.06.2019 - 19:17

Das Sterben der Insekten habe dramatische Ausmaße. Alle Forschungsergebnisse würden hierfür zwei Hauptgründe nennen: den Klimawandel und die intensive Landwirtschaft. Kein Wunder, denn selbst in vielen Naturschutzgebieten Niedersachsens sei der Einsatz von Pestiziden erlaubt. Damit muss endlich Schluss sein, fordern BUND Niedersachsen und BUNDjugend mit einer Aktion am Kröpcke in Hannovers Innenstadt. Sie fand heute im Rahmen der BUND-Kampagne „Lass brummen“ und dem bundesweiten Aktionstag in sieben Bundesländern statt. Aktive in Bienen- und Schmetterlingskostümen in symbolisch abgesperrten Schutzgebieten gingen nach dem Einsatz von Pestiziden aus der Giftspitze zu Boden. Dabei informiert der Umweltverband Passanten über den mangelhaften Insektenschutz in niedersächsischen Schutzgebieten.

„Wir erwarten, dass die Landesregierung den Einsatz von Pestiziden in den Hotspots der biologischen Vielfalt konsequent verbietet“, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Susanne Gerstner. „Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete, besonders geschützte Landschaftsbestandteile und gesetzlich geschützte Biotope sind vielerorts letzte Rückzugsgebiete für bedrohte Arten. Hier muss der Schutz von Natur und Artenvielfalt absoluten Vorrang vor allen wirtschaftlichen Interessen haben. Anders lässt sich das massive Insektensterben nicht aufhalten“.

Der BUND fordert, dass der Insektenschutz in Niedersachsen endlich entschieden angegangen wird. „Neben Sofortmaßnahmen braucht es ein langfristig wirksames Insektenschutzprogramm mit verbindlichen Zielen und einer abgesicherten Finanzierung“, betont Gerstner. „Nicht nur in Schutzgebieten, auch in der Fläche muss der Pestizideinsatz deutlich verringert werden“. Ebenso wichtig sei es, den massiven Verlust wertvoller Insekten-Lebensräume in der Kulturlandschaft umzukehren. Insekten bräuchten einen Verbund aus artenreichem Grünland, Wegrainen und Gewässerrandstreifen, Hecken und Feuchtbiotopen. Bisherige Förderprogramme reichten bei weitem nicht aus.

Fördermittel der EU des Landes müssten gezielter eingesetzt werden, um den Artenschwund in der Landschaft zu stoppen. Der Anteil des Ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachsen müsse auf mindestens 20 Prozent bis zum Jahr 2025 ansteigen. Auch innerhalb der Städte und Gemeinden sei durch naturnahe Grünflächen, den Verzicht auf Pestizide bis hin zur Information von BürgerInnen zur Pflege von Privatgärten noch vieles möglich.

„Anfang 2018 hat die Landesregierung einen Aktionsplan zum Insektenschutz angekündigt – tatsächlich passiert ist bislang wenig“, so die Landesgeschäftsführerin. „Der BUND wird mit Aktionen wie dieser den Druck auf die Regierung weiter erhöhen. Nur sofortiges Handeln kann den Artenschwund bei Insekten und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen aufhalten. Mit der Europawahl und dem Volksbegehren in Bayern haben die BürgerInnen gezeigt, dass sie die Untätigkeit der Politik nicht mehr mittragen“.