Ein Jahr Corona-Pandemie: Am 11. März 2020 trat die erste Infektion im Landkreis Lüneburg auf

Medizin Von Extern | am Mi., 10.03.2021 - 17:38

LÜNEBURG. Vor genau einem Jahr, am 11. März 2020, wurde zum ersten Mal das Corona-Virus im Landkreis Lüneburg nachgewiesen, berichtet der Landkreis. Die erkrankte Person hatte sich in Italien aufgehalten und nach der Rückkehr erste Krankheitssymptome festgestellt. Der Krankheitsverlauf war milde, der betroffenen Person gehe es heute gut. Angesteckt habe der erste Fall dank konsequenter Quarantäne niemanden – weitere Infektionen seien über andere Wege gefolgt.

Seit diesem ersten Fall hat sich der Alltag vor allem für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Mitarbeitenden in der Kreisverwaltung deutlich verändert – wie, das zeigt unser Rückblick: Seit Mitte Februar 2020 ging es in der Kreisverwaltung Schlag auf Schlag: Noch bevor der erste Fall auftrat, berief Landrat Jens Böther einen Krisenstab ein, für alle Anliegen der Menschen wurde ein Bürgertelefon mit geschulten Personal eingerichtet, am Städtischen Klinikum Lüneburg öffnete ein Diagnosezentrum.

„Im Landkreis Lüneburg haben sich bis heute mehr als 2.000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, 42 Menschen sind verstorben“, fasst Landrat Jens Böther zusammen. „Jeder Fall ist einer zu viel. Und dennoch sind wir im Vergleich zu anderen Regionen bisher gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Landrat Jens Böther. „Dabei galt es immer wieder neu abzuwägen, welcher Weg der richtige ist und wie die Menschen in dieser schwierigen Situation unterstützt werden können.“ Oft mussten schwierige Entscheidungen getroffen werden: Unter 14 Allgemeinverfügungen habe der Verwaltungschef bisher seine Unterschrift gesetzt – dazu gehörte die Schließung von Schulen, Kitas, Restaurants, Hotels im ersten Lockdown oder auch die Maskenpflicht in der Lüneburger Innenstadt.

Der bisher höchste 7-Tages-Inzidenz-Wert im Landkreis Lüneburg lag am 8. November 2020 bei 97,8. Sorgen bereiteten der Kreisverwaltung in dieser Zeit vor allem mehrere Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. „Sehr hilfreich war damals die offene und gute Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und unserem Gesundheitsamt, auch dank unseres Hygienenetzwerks“, betont der Landrat. Inzwischen können die Heime aufatmen: Die Impfungen dort seien seit Kurzem abgeschlossen und die Infektionsgefahr damit deutlich verringert. Auch am Städtischen Klinikum Lüneburg seien inzwischen viele Mitarbeitende geimpft: „Das medizinische Personal hat viel geleistet, seit Monaten sind dort immer mehrere COVID-Infizierte in Behandlung“, so der Landrat. „Mit der Klinikleitung haben wir zuverlässige und kompetente Ansprechpartner.“

Seit 14 Tagen liegt die Inzidenz konstant unter 35, im Durchschnitt der vergangenen zwei Wochen ist der Wert bei 28,3. Alle Zahlen im Blick hat der Krisenstab, der sich seit Beginn der Pandemie mehr als 120-mal getroffen hat, in Höchstzeiten mehrmals pro Woche oder auch an den Wochenenden. Landrat, Gesundheitsamt, Verwaltungsleitung, Impfzentrum, Pressestelle, Klinikum, Statistiker, Polizei und Bundeswehr – gemeinsam schätzen sie die aktuelle Lage ein, erörtern Probleme, suchen und finden Lösungen. „Im Krisenstab arbeiten alle Beteiligten engagiert Hand in Hand“, so Jens Böther. „Es gab viele Situationen, in denen wir schnelle und kreative Wege im Umgang mit dem Corona-Virus und allen Einschränkungen finden mussten. Das funktioniert bis heute hervorragend.“

Laut Landkreis sorgt die anhaltende Corona-Pandemie in der Kreisverwaltung nach wie vor für ein gesteigertes Arbeitspensum: Die Mitarbeitenden beim Bürgertelefon und der Kontaktverfolgung sind auch am Wochenende oder über Feiertage im Einsatz. Durch die Mehrarbeit rücken derzeit einige Anliegen, die noch bearbeitet werden müssen, etwas in den Hintergrund. Bei rund 120 Bediensteten der Kreisverwaltung fallen nach wie vor Überstunden infolge der Corona-Mehrarbeit an. Zum Schutz vor dem Virus hat sich auch für die Verwaltungsmitarbeitenden die Arbeitsplatzsituation geändert: Vor Beginn der Pandemie waren 20 Prozent der Beschäftigten zeitweise in Heimarbeit tätig. Mittlerweile sind es rund 60 Prozent der Kreisverwaltungsmitarbeitenden, die regelmäßig im Home-Office arbeiten.

In der Pandemiebekämpfung ist die Kontaktnachverfolgung eine der wichtigsten, aber auch zeitaufwendigsten Aufgaben. Jeder einzelne Corona-Kontakt muss abtelefoniert werden – das Ziel dahinter: Infektionsketten feststellen und durch weitere Quarantäne-Anordnungen durchbrechen. Rund 30 Personen stehen für die Nachverfolgung zur Verfügung: 13 Containment Scouts, 6 Soldaten im täglichen Einsatz und 10 Soldaten in Bereitschaft. Regelmäßig helfen Landesbedienstete, beispielsweise vom Finanzamt, bei den Verwaltungsaufgaben mit. Nach wie vor gilt: „Keiner geht nach Hause, bevor nicht auch der letzte Kontrakt ermittelt wurde“, sagt Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes.