Erziehungsberatunsstelle gibt Tipps in Corona-Zeiten: Mit Kindern ins Gespräch kommen

Gesellschaft Von Extern | am Do., 21.05.2020 - 19:14

LÜNEBURG. In der aktuellen Corona-Situation zeigen sich manche Kinder unausgeglichen und unruhig, andere ziehen sich eher zurück. Letzteres ist oft ein Zeichen von Unsicherheit und Resignation, so die Erziehungsberatungsstelle Lüneburg. Insofern sei der Rückzug auch ein Schutzraum, den sich das Kind um sich herum aufbaue. "Dieses Verhalten gehört in Phasen – nicht nur während der Pubertät – zu jeder kindlichen Entwicklung. Manchmal gibt es aber auch einschneidende Ereignisse, auf die ein Kind damit reagiert. Für Eltern ist es gar nicht so einfach damit umzugehen, wenn ihr Kind missmutig oder schlecht gelaunt wirkt und niemanden an sich heranlässt", so Bernd Albrecht-Hielscher von der Erzeihungsberatungsstelle Lüneburg. Er gibt Tipps, wie Eltern mit ihren Kindern ins Gespräch kommen können:

1. Eigene Gedanken und Gefühle mitteilen
Fassen Sie sich kurz und formulieren Sie Ihre Eindrücke sicher, gelassen und ruhig: „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht“. „Ich spüre, dass du wütend bist“. „Ich glaube, dass du unsicher bist.“ „Ich denke, du fragst dich, ob du mit mir über etwas sprechen kannst.“

2. Keine Diskussionen
Es ist nicht entscheidend, ob Ihr Kind zustimmt oder überhaupt irgendeine Gefühlsregung erkennen lässt. Wichtig ist, dass es Sie hört und sich der eigenen möglichen Gefühle bewusst wird. Nachdem Sie Ihre Eindrücke ausgesprochen haben, sollten Sie keine Diskussion darüber beginnen. Die eigene persönliche Wahrnehmung wird so stehen gelassen. Das ist wichtig.

3. Druck vermeiden
Respektieren Sie, dass Ihr Kind nicht ausgefragt werden möchte. Falls Sie dies nicht beherzigen, erzeugen Sie einen unguten Druck. Dies führt zumeist dahin, dass das Kind etwas sagt, was nicht seinen Gefühlen entspricht. Druck erzeugt Lügen!

4. Wünsche formulieren
Versetzen Sie sich in das Alter und die Situation des Kindes. Was würden Sie sich selbst (als Kind) tief in Ihrem Inneren wünschen? Welche Reaktion der Eltern wäre momentan hilfreich? Bestenfalls notieren Sie alles, was Ihnen einfällt. Erzählen Sie Ihrem Kind bei einer passenden Gelegenheit, was Ihnen gut getan hätte. Belassen Sie es bei dieser Auskunft und drängen Sie Ihr Kind nicht, dazu Stellung zu nehmen.

5. Verstehen lernen
Sollte Ihr Kind anfangen zu reden: Stellen Sie die Fragen so konkret wie möglich. Allgemeinfragen kann ein Kind in der Regel nur schwer beantworten. Sie sollten Bewertungen lassen wie „Diese Angst musst du doch (bei uns) nicht haben.“ Es geht darum, dass Sie verstehen lernen, wovor sich Ihr Kind schützen möchte und unter welchen Bedingungen es sich öffnet oder verschließt.

6. Was noch wichtig sein kann
Sie sollten nicht unangekündigt in das Zimmer Ihres Kindes eintreten und sagen: „Wir müssen mal mit dir reden“. Irgendwann muss das Kind sein Zimmer verlassen. Diesen Zeitpunkt sollten Sie abwarten. Der erste Schachzug könnte sein, eine Verabredung zu treffen, also eine Gemeinsamkeit zu finden, die beiden Seiten normalerweise Spaß macht. Das kann die Atmosphäre ändern, beispielsweise kann über das gemeinsame Anprobieren von Klamotten ein guter Austausch entstehen.