Für ein „Kinder-Mainstreaming“: Regionalbischof Rathing wirbt für die Rechte von Kindern

Religion Von Extern | am So., 22.12.2019 - 18:30

LÜNEBURG. Landessuperintendent Dieter Rathing hat dazu gemahnt, das Wohl von Kindern als „Mitte von Weihnachten“ nicht aus den Augen zu verlieren. In seinem aktuellen Weihnachtsbrief an die rund 600 Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone sowie Prädikantinnen und Prädikanten äußerte der Regionalbischof auch Selbstkritik: „Könnte es sein, dass unsere Verehrung des göttlichen Kindes zutiefst in Frage gestellt wird, wenn wir den menschlichen Kindern keine oder zu wenig Aufmerksamkeit schenken?“

Rathing erinnert in seinem Schreiben an die Nöte von Kindern. Nach Angaben der Diakonie lebten allein in Niedersachsen rund 270.000 Kinder in Armut oder seien davon bedroht. Erst kürzlich sei das Schicksal der sogenannten Verschickungskinder ins öffentliche Bewusstsein gekommen. „Wir realisieren, dass Gewalt und Missbrauch auch in unserer Evangelischen Kirche verwerfliche Tatbestände waren und auch immer noch wieder sind“, so Rathing. Erst in der Gegenwart würden Mitarbeitende im Blick auf die Wahrnehmung sexualisierter Gewalt professionell geschult. 

Zu Recht hielten Kinder und Jugendliche der älteren Generation mangelnde Aufmerksamkeit für ihre persönliche Gefährdung sowie für den globalen Klimaschutz vor. „Warum muss nicht jedes neue Gesetz auf seine Auswirkungen auf Kinder befragt werden“, fordert der leitende Geistliche. Das Grundgesetz schütze mittlerweile Tiere und Umwelt, aber die Kinder nicht. „Die aktuelle Initiative im Bundestag ändert das hoffentlich bald. 

Der Regionalbischof für die zehn Kirchenkreise im nordöstlichen Niedersachsen würdigt in dem Zusammenhang die vielfältige kirchliche Arbeit mit Kindern. Die Krippenspiele am Heiligen Abend gehörten ebenso dazu wie evangelische Kindertagesstätten und Kinderchöre. Die Aufmerksamkeit für Kinder ist für Rathing indes auch in der Kirche längst nicht hinreichend. Dafür brauche es „in unseren Denk- und Entscheidungsprozessen ein kirchliches Kinder-Mainstreaming“, schlägt der Theologe einen Bogen von dem Kind in der Krippe in die Gegenwart.