Grüne und Bauern diskutieren Zukunft der Landwirtschaft

Politik Von Extern | am Mo., 13.01.2020 - 19:07

LÜNEBURG. Der „Dialog auf Augenhöhe“ ist eine der Forderungen bei den derzeit stattfindenden Trecker-Demonstrationen. Kann man in Anbetracht der unterschiedlichen Positionen überhaupt gesittet miteinander diskutieren? Dies hatten sich vermutlich Viele im Vorfeld des letzten Samstags gefragt. Beim Polit-Frühstück „GRÜNfutter“ der Grünen in Lüneburg ist es gelungen, resümieren die Veranstalter. „Es sind keine Tomaten geflogen. Und wir haben sehr sachlich und konstruktiv diskutiert. Danke nochmal an die vielen Landwirte, die dabei waren,“ so Initiatorin und Kreistagsmitglied Tanja Bauschke. 

Gut 50 Interessierte hatten sich im Veranstaltungssaal der Grünen in Lüneburg eingefunden, in der Mehrzahl Landwirte. Auch die Initiatorin der bundesweiten Protestbewegung Maike Schulz-Broers, Landvolk-Vertreter Thorsten Riggert sowie der Lüneburger NABU-Vorsitzende Thomas Mitschke  waren unter den Gästen. Schon während des Impuls-Vortrags von Miriam Staudte, der agrarpolitischen Sprecherin der Grünen im Landtag, wurde interessiert und konstruktiv diskutiert. „Eine Neuausrichtung der Landwirtschaft muss nicht nur die ökologischen Ziele berücksichtigen, sondern auch das Höfesterben bremsen. Landwirtschaft wird derzeit immer kapitalintensiver, viele müssen aufgeben, aber kaum jemand kann neu einsteigen. Pro Arbeitskraft werden im Durchschnitt über 550.000 Euro investiert. Tendenz steigend. Auflagen sind dann der Tropfen, der das Fass gefühlt für viele zum Überlaufen bringt. Dennoch sind eine Auflagen notwendig,“ so Staudte.

Die Grünen kritisieren die Politik der CDU, die bei der Neuausrichtung der EU-Agrarförderung immer noch blockiere. Vieles, was die Gesellschaft fordere, zum Beispiel mehr Artenschutz werde mit der derzeitigen Agrar-Förderung behindert. Hängen Äste über einen Acker oder steht ein Baum auf einem Feld, werde die überdeckte Fläche aus der Förderfläche sogar herausgerechnet. Ebenso sei bei der Förderung von EU-Mitteln die überbordende Bürokratie und Dokumentationspflicht auf das absolut notwendige Maß herunterzufahren. Zusätzlich müsse durch mehr Aufklärung des Verbrauchers und eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für tierische Produkte in der Gesellschaft der Konsum weg von Ramschpreisen geführt werden.  Es müsse klar werden, dass Lebensmittel ihren Preis haben. Nirgendwo anders würden für Lebensmittel nur 10% des Einkommens ausgegeben wie in Deutschland.

Große Einigkeit herrschte bei allen Gästen dahingehend, dass man mehr Planungssicherheit benötige. „Wir brauchen einen Agrarkonsens unter den Parteien, damit Investitionen Bestand haben. Die Anforderung müssen so festgelegt werden, dass sie auch in 20 Jahren noch von der Gesellschaft getragen werden können. Wir brauchen also keine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern einen zukunftsfesten Konsens,“ so die Grünen. In Anbetracht der vielen agrarpolitischen Themen wurde eine Fortsetzung der Diskussion angeregt.