Ausgesprochen einzigartig: Plattdeutsch-Beauftragter beendet nach zehn Jahren sein Engagement – Nachfolge gesucht

Politik Von Extern | am Fr., 21.05.2021 - 12:39

LÜNEBURG. Dass er ein Norddeutscher ist, hört man Günther Wagener sofort an – und wenn man seinen Geschichten genau lauscht, dann auch, dass seine Muttersprache Plattdeutsch ist. „Zuhause wurde früher nur Platt gesprochen. Eigentlich sogar fast im ganzen Dorf“, berichtet der gebürtiger Rotenburger über seine Kindheit. Die Sprache hat ihn sein ganzes Leben begleitet. Vor knapp zehn Jahren übernahm er beim Landkreis Lüneburg ehrenamtlich die Stelle als Plattdeutsch-Beauftragter. Jetzt geht diese Zeit zu Ende. Der Landkreis macht sich deshalb nun auf die Suche nach jemandem, der in Günther Wageners Fußstapfen treten kann und sich für den Erhalt der Sprache engagiert.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit war für ihn klar: Zehn Jahre macht er den Job, aber dann ist Schluss. Günther Wagener ist ein Mann der klaren Worte. Sein Lebensmotto: "Kannst keen Platt - fehlt di wat!“. Denn Plattdeutsch, das ist für ihn mehr als nur eine Sprache. „Für mich ist Platt eine Form von Kultur, es ist die norddeutsche Sprache schlechthin und die Sprache der Hanse“, erklärt er. „Ich sehe darin ein Stück Heimat, etwas, das vertraut ist.“ Nicht immer war er so stolz auf seine Sprache wie heute. Als Teenager war sie ihm auch mal unangenehm. „Wenn wir beispielsweise Klamotten einkaufen waren und meine Mutter mich fragte ‚Na mien Jung, passt de Büx?‘, dann haben die Verkäuferinnen auch mal schief geguckt.“ Heute freut er sich aber über jede Person, mit der er sich in seiner Sprache unterhalten kann. In Deutschland sind das theoretisch ungefähr 2,5 Millionen Menschen, rund 10 Millionen verstehen Plattdeutsch.

Der aktuelle Trend ist aber bedenklich. Immer weniger Menschen lernen die Sprache und wer sie noch spricht, gehört meist zur älteren Generation. Auch deswegen ist Plattdeutsch Teil der Sprachencharta und steht damit seit 1999 unter Schutz. Gerade vor diesem Hintergrund ist die Arbeit von Günther Wagener im letzten Jahrzehnt besonders beachtlich. Als Plattdeutsch-Beauftragter für den Landkreis Lüneburg hat er diverse Projekte angeschoben, Veranstaltungen und Gruppen ins Leben gerufen und sich dafür eingesetzt, dass die Sprache erhalten bleibt. Vernetzen, koordinieren, unterstützen: Das war sein Aufgabenbereich für die plattdeutsche Szene. Seit 2012 finden unter seiner Regie alle zwei Jahre die „Plattdüütsch Weken“ statt, eine mehrwöchige Reihe an gebündelten Lesungen, Theaterstücken und Konzerten. Jahrelang hat Günter Wagener sich zudem dafür stark gemacht, dass die plattdeutschen Ortsnamen zusätzlich auf den Schildern der Städte und Gemeinden in der Region Platz finden – mit Erfolg. Nach und nach tauschen immer mehr Kommunen ihre Ortsschilder aus. Auf dem Lüneburger Weihnachtsmarkt können sich Kinder außerdem die Geschichten an den Märchenhütten mittlerweile auf Platt anhören – auch das ist das Werk von Günther Wagener, der 2012 den Verein Lüneplatt e.V. sowie vor fast 20 Jahren eine plattdeutsche Gruppe in Adendorf gründete.

Nun soll aber eine andere Person seine Arbeit weiterführen. Zum 1. Juli 2021 scheidet Günther Wagener aus seinem Amt als Plattdeutsch-Beauftragter aus. Entsprechend sucht der Landkreis Lüneburg ab diesem Zeitpunkt eine würdige ehrenamtliche Vertretung. An seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin gerichtet betont Günther Wagener: „Die Sprache ist in großer Gefahr. Deswegen müssen wir die jungen Leute wieder vermehrt für das Plattdeutsche begeistern. Wir brauchen Menschen, die diese Sprache weitertragen und sprechen können.“

Interessierte können sich bis zum 11. Juni 2021 bei der Kreisverwaltung melden. Informationen über die Aufgaben gibt es unter www.landkreis-lueneburg.de/stellenangebote.