AGL auf der Elektro-Überholspur: Neuartiges Müllsammelfahrzeug in Betrieb genommen

Wirtschaft Von Extern | am Mi., 15.01.2020 - 14:02

LÜNEBURG. Die Abfall, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) geht mit großen Schritten voran in Richtung Zukunft. Als Schlussstein seines überarbeiteten Müllentsorgungskonzeptes nahm das Unternehmen gestern ein neuartiges und vollelektrisch betriebenes Müllsammelfahrzeug für den Einsatz im Innenstadtbereich in Empfang. In der kommenden Woche soll es in Dienst gehen.

Das Fahrzeug der Firma Orten Electric Trucks mit einer Müllpresseinheit der Firma Zöller-Kipper und einem Fassungsvermögen von 3,5 Kubikmetern – vergleichbar mit einem Kleincontainer – wird sich künftig völlig emissions- und fast geräuschfrei durch Lüneburgs Straßen bewegen. Die Kombination aus elektrischem Antrieb und elektrisch betriebener Müllpresseinheit ist in der Form ein deutschlandweites Novum.

AGL-Geschäftsführer Lars Strehse: „Wir können dank des neuen Fahrzeugs künftig 50 Prozent der Fahrten einsparen, die bisher erforderlich waren, um die öffentlichen Müll- und Papierkörbe im Stadtgebiet zu entleeren.“ Das hängt damit zusammen, dass die Sammelcontainer bisher zum Betriebshof der AGL gefahren werden mussten, um dort entleert zu werden. „Mit dem E-Müllsammelfahrzeug sparen wir uns diese Strecken. Häufig ist dabei auch viel Vakuum transportiert worden, etwa bei halbvollen Sammelbehältern – oder allein dadurch, dass der Inhalt unverdichtet, also ungepresst transportiert wurde.“ Nun könnten die Sammelpunkte gezielt mit dem neuen Fahrzeug angesteuert und die Behälter direkt an Ort und Stelle nicht nur entleert, sondern auch direkt verpresst werden. Dem Müllaufkommen einer ganzen Woche sei dadurch nun mit nur ein bis zwei Fahrten beizukommen, so der AGL-Geschäftsführer.

Die AGL soll schon heute einer der führenden Kommunalbetriebe in puncto alternative Antriebe und Klimaneutralität sein. Im laufenden Jahr steigert das Unternehmen den Anteil seiner strombetriebenen Flottenfahrzeuge und -geräte auf 12 Prozent; bei den kleineren Arbeitsgeräten ist hier bereits jetzt ein Anteil von 38 Prozent zu verzeichnen. Hinzu kommt die eigene Gewinnung von Wärmeenergie und Strom aus Klärgasen, die als Abfallprodukt der Abwasserreinigung anfallen. 5,5 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie und fünf Millionen Kilowattstunden Strom wurden so im Jahr 2018 im eigenen Blockheizkraftwerk erzeugt. „Damit sind wir schon jetzt fast klimaneutral und können unsere Kläranlage sowie die gesamte Betriebsstätte an der Bockelmannstraße mit eigenem Strom versorgen“, erklärt Strehse. Dies sei auch der Grund, warum die Abwassergebühren in Lüneburg im bundesweiten Vergleich sehr moderat ausfielen.

Künftig soll auch das neue E-Müllsammelfahrzeug mit dem betriebseigenen Strom versorgt werden. 100 Kilometer Reichweite bei etwa 30 Schütt- und zehn Pressvorgängen sollen dann mit einem Ladevorgang möglich sein. Das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur hat die Investition von 190.000 Euro mit rund 80.000 Euro gefördert.