Artenvielfalt im Grasgehege - Positive Entwicklung der Biodiversität im Grasgehege

Umwelt Von Extern | am Di., 18.05.2021 - 21:22

BARDOWICK / RADBRUCH. Das „Grasgehege“ ist ein etwa 130 Hektar großer Kompensationsflächenpool der Niedersächsischen Landesforsten, der vom Forstamt Sellhorn entwickelt wird. Die Fläche liegt zwischen den Städten Lüneburg und Winsen an der Luhe, östlich angrenzend befindet sich die Ortschaft Radbruch. Das Hamburger Stadtzentrum liegt in nordwestlicher Richtung nur etwa 30 Kilometer entfernt.

Die abwechslungsreiche Landschaft aus Wäldern und Wiesen wird durch vielfältige Naturschutzmaßnahmen renaturiert: Entwässerungsgräben wurden verfüllt, Waldränder aufgelockert und Grünlandflächen extensiviert. Die Maßnahmen folgen dem Entwicklungskonzept, das das Forstamt Sellhorn gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg entwickelt hat.

Finanziert werden die Naturschutzmaßnahmen und die stetige Landschaftspflege im Rahmen sogenannter Kompensationsmaßnahmen, wie die Landesforsten berichten: Wenn durch Baumaßnahmen Landschaft beansprucht wird, muss dieser Eingriff nach dem Naturschutzrecht ausgeglichen werden. Das kann unter anderem im „Grasgehege“ geschehen. Das Projekt diene dabei nicht nur der Artenvielfalt und der Landschaftsästhetik, sondern auch der Erholung, da das gesamte Gebiet weiterhin betreten werden könne.

Um zu überprüfen, wie sich Artvorkommen und Grundwasserstände in Folge der Renaturierungsmaßnahmen entwickelt haben, haben die Landesforsten zwischen 2014 und 2020 verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Besonderes Augenmerk galt bei den faunistischen Untersuchungen den Tagfaltern, Libellen und Heuschrecken, deren Arten systematisch erfasst wurden. Dabei seien zahlreiche Rote Liste Arten entdeckt worden. Ziel der Maßnahmen sei es, mehr geeignete Lebensräume zu entwickeln, sodass sich bestimmte Arten weiter ausbreiten.

Anne Jantzen, Försterin für Naturschutz im Forstamt Sellhorn und Oerrel, freut sich: „Man kann sagen, dass die Heuwiesen sichtlich nährstoffärmer und damit artenreicher geworden sind. Arten, die sowohl für die Feucht- und Mähwiesen charakteristisch sind, haben sich lokal ausgebreitet und beginnen allmählich die Heuwiesen wieder zu besiedeln. Die Wiesen werden immer bunter. Durch die Kompensationsmaßnahmen profitiert an dieser Stelle der Natur- und Artenschutz“.

Zusätzlich zum Arten-Monitoring erfolgt eine Überwachung der Grundwasserstände im Grasgehege. Die extrem trockenen Sommer 2018 bis 2020 haben den Grundwasserspiegel in weiten Regionen Deutschlands negativ beeinflusst. Im Grasgehege jedoch sei der Wasserstand in diesen Jahren kaum gesunken. Der niedrigste gemessene Grundwasserspiegel in diesen trockenen Sommern lag nach Angaben der Landesforsten immer noch höher als im Sommer 2010. „Dies kann man  auf die umgesetzten Maßnahmen zurückführen und ist ein echter Erfolg. Im Zuge des Klimawandels spielt das Thema Wasserrückhaltung eine immer größere Rolle. Arten, die auf feuchte Bedingungen angewiesen sind, erfahren durch den Klimawandel eine zunehmende Gefährdung. Durch die Wiedervernässungsmaßnahmen wird hier im Grasgehege eine Landschaft entwickelt, die für Flora und Fauna einen konstanten, stabilen Lebensraum gewährleistet. Ein echter Beitrag zum Erhalt der Biodiversität“, freut sich Anne Jantzen.