Rote Laterne für Niedersachsen beim Ökolandbau

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Mi., 09.01.2019 - 16:52

HANNOVER. Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung haben heute in Berlin den Agrar-Atlas 2019 vorgestellt. Er enthält umfangreiche Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft und analysiert die Auswirkungen der Agrarpolitik auf ländliche Räume, Klimaschutz, Biodiversität, Höfesterben, Ökolandbau und Tierhaltung - auch in Niedersachsen.

„Die Ursachen für Insektensterben und belastete Gewässer sind erkannt, nun müssen Gegenmaßnahmen erfolgen“, fordert BUND-Agrarexperte Tilman Uhlenhaut. Doch besonders Niedersachsen ist von einer Agrarwende und dem Ziel der Bundesregierung von 20 % Ökolandbau im Jahr 2028 noch weit entfernt. „Der Agrar-Atlas weist Niedersachsen mit nur 3,9 % an ökologisch bewirtschafteten Flächen abermals als bundesweites Schlusslicht aus. Die Landesregierung muss ihre Bemühungen erheblich steigern und den ökologischen Landbau stärker vorantreiben“, so Uhlenhaut.
Der Agrar-Atlas 2019 zeige Schwächen der Gemeinsamen Agrarpolitik auf. Hier fordert der BUND eine deutliche Neuausrichtung: Bisher erfolge der Großteil der Zahlungen an die Landwirte, ohne dass dafür besonders hohe Anforderungen in den Bereichen Natur-, Umwelt- und Tierschutz eingefordert werden. „Das muss sich in der neuen Förderperiode ändern, in dem die Gelder zur Finanzierung von Leistungen für das Gemeinwohl verwendet werden, beispielsweise zur Anlage von Gewässerrand- und Blühstreifen, Hecken und Brachen“, sagt Uhlenhaut. Zudem kämen 80 % der EU-Agrarförderung nur bei 20 % der größten Betriebe an. „Die Folgen dieser einseitigen Agrarpolitik werden auf dem Rücken kleiner und mittlerer Höfe ausgetragen – über 4.700 Betriebe in Niedersachsen haben in den vergangenen 8 Jahren aufgegeben. Das widerspricht vollends dem Ziel Niedersachsens, landwirtschaftliche Betriebe zu stärken“, so der Agrarexperte.

Niedersachsen bleibt laut Agrar-Atlas weiterhin Spitzenreiter bei der Massentierhaltung. Insbesondere in den westlichen Landkreisen Niedersachsens sind Schweine, Hühner und Rinder in einer umweltschädlichen Konzentration aufgestallt. „Das Land muss den Umbau der Tierhaltung in diesen Regionen forcieren und Tierbestände abbauen. Immer noch werden fast 70.000 Tonnen Stickstoff und 30.000 Tonnen Phosphor zu viel in Niedersachsen mit Gülle und Gärresten erzeugt. Der Überschuss landet im Grundwasser, in den Flüssen und im Meer“, erläutert Uhlenhaut das Problem. „Ein Umbau der Tierhaltung lässt sich finanzieren, wenn Niedersachsen auch die Gemeinsame Agrarpolitik hierfür nutzt. Das Land muss sich jetzt für die Interessen der Mehrheit der BürgerInnen nach umwelt- und tiergerecht hergestellten Lebensmitteln bei den Verhandlungen über eine neue Agrarpolitik in Brüssel einsetzen“.

Ihre Forderungen nach gutem Essen, einer klimagerechten Landwirtschaft und dem Erhalt der Bauernhöfe bringen BürgerInnen auch am 19. Januar bei der „Wir haben es satt!“-Demo in Berlin auf die Straße. Mehr Informationen zu der Veranstaltung finden Sie unter www.bund-niedersachsen.de/wir-haben-es-satt/.