Streuobstwiese bereichert ökologische Vielfalt auf Nordwest-Friedhof

Umwelt Von Extern | am Mo., 18.11.2019 - 12:30

LÜNEBURG. Ein echter "Bio-Hotspot" wächst zurzeit ganz neu auf einer Fläche des Nordwest-Friedhofs heran: eine Streuobstwiese, gepflanzt von Ehrenamtlichen des BUND Niedersachsen und des Vereins Streuobstwiesenbündnis Niedersachsen e.V. mit Unterstützung des Lüneburger Friedhofsteams, finanziert aus Mitteln der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Der Begriff Bio-Hotspot stammt von dem Apfelexperten Hermann Stolberg vom Streuobstwiesenbündnis, der die Pflanzaktion begleitet hat. Auf dem Nordwest-Friedhof erhält der Hotspot Gestalt in Form von 16 großen und kleinen Apfelbäumen, zum Beispiel der Sorten Gelber Richard und Prinz Albert von Preußen, ergänzt um Johannisbeersträucher, aber auch z.B. Weiden, Liguster und Faulbaum.

Die Kooperation auf dem Nordwest-Friedhof ist bereits die zweite dieser Art in Lüneburg. Schon im Jahr 2018 hatten die Partner auf dem Waldfriedhof Blühwiesen und einzelne Gräber mit Wildstauden und anderen besonders bienenfreundlichen Pflanzen bestückt. "Ökologische Nische Friedhof" heißt die Aktion von BUND und der Bingo-Umweltstiftung, unter dessen Dach auch auf Friedhöfen in Braunschweig, Göttingen und Hannover besondere Flächen entstanden sind. Nun also ein zweites Projekt in Lüneburg. Hans Hockemeyer, Friedhofsleiter der Hansestadt Lüneburg, freut sich: "Ein tolles Projekt in vielfacher Hinsicht. Die Tier- und Pflanzenwelt profitiert. Die Besucher auf unseren Friedhöfen freuen sich über zusätzliche schöne Flächen, zumal wenn sie in zwei bis drei Jahren die ersten Äpfel ernten können. Und auch wirtschaftlich ist das für uns ein Vorteil, weil zum Beispiel eine Streuobstwiese zwar andere, aber deutlich weniger Pflege benötigt als etwa eine klassische Rasenfläche." Teil der Aktion sei auch, dass Friedhofs-Mitarbeiter sich hierzu in der Pflege entsprechend fortbilden. 

Jakob Grabow-Klucken vom BUND Hannover, der auf dem Nordwest-Friedhof jetzt mit vier Kolleginnen und Kollegen im Einsatz war, hat schon eine genaue Vorstellung davon, wer sich auf der neu gestalteten Fläche wohlfühlen könnte: "Hummeln und Honigbienen mögen den Liguster, die Weidenarten ziehen bis zu 40 Wildbienenarten an." Wichtig sei, Pflanzen mit einem unterschiedlichen Jahresrhythmus so zu kombinieren, dass über möglichst viele Monate im Jahr ein Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten vorhanden ist, denn auch die Tiere haben ihren eigenen unterschiedlichen Rhythmus. Gut dafür sei, dass Bäume und Sträucher im nächsten Schritt, 2020, noch mit Magerrasen unterlegt werden, erläutert Grabow-Klucken. Die Hilfen wirken, ist er überzeugt und verweist auf Ergebnisse einer Erfassung auf dem Waldfriedhof: Nach der Einrichtung der besonderen Flächen dort seien "55 Wildbienenarten" gezählt worden. Auch auf dem Nordwestfriedhof erwartet Grabow-Klucken künftig so interessante Arten wie die Fuchsrote Sandbiene. Die Aktion Ökologische Nische Friedhof läuft noch bis Ende August 2020. 

Die Ergebnisse aber überdauern. Pomologe Hermann Stolberg rechnet damit, dass die jetzt gepflanzten Apfelbäume bis zu 80 Jahre alt werden. Die ausgesuchten Sorten seien "robust und kernig, nichts, was man im Supermarkt kaufen kann, dafür passend zu den mageren Heideböden hier." Überhaupt, so Stolberg: "Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Landschaften." Echte Bio-Hotspots eben.