Tag der offenen Tür im Bildungszentrum der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg

Gesellschaft Von Extern | am Mi., 06.10.2021 - 13:38

LÜNEBURG. In diesem Jahr jährt sich die Einrichtung der »Kinderfachabteilung« in der damaligen Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt zum 80. Mal. Aus diesem Anlass lädt die »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg am Sonntag, 10. Oktober 2021, von 13 bis 17 Uhr in das Alte Gärtnerhaus, Bildungszentrum der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg, Am Wienebütteler Weg 1, zum Tag der offenen Tür ein. »Wir möchten damit für all jene unsere neuen Räumlichkeiten öffnen, die im vergangenen und diesem Jahr durch den pandemie-bedingten Ausfall einer Gedenkfeier und weiterhin begrenzten Möglichkeiten bisher keine Gelegenheit hatten, vorbei zu kommen«, betont Dr. Sebastian Stierl, Vorsitzender des »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg e. V.

Besucherinnen und Besucher können am Tag der offenen Tür sowohl die wechselvolle Geschichte des 1832 als erste Königlich-Hannoversche Obstbaumschule errichteten und 2019/2020 von Grund auf sanierten Baudenkmals kennenlernen als auch Einblicke in das aktuelle Projekt »GESCHWISTER« erhalten. Architekt Henryk Reimers und Dr. Carola Rudnick, Leiterin der Gedenkstätte, bieten hierfür um 13, 15 und 16 Uhr Hausführungen an.

Mit Blick auf den 80. Jahrestag stellt Dr. Rudnick um 14 Uhr erste Projektergebnisse vor. So wurden am 9. und 10. Oktober 1941 nachweislich 138 Kinder und Jugendliche aus den Rotenburger Anstalten der Inneren Mission in die damalige Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt verlegt, unter ihnen auch die Zwillinge Bode. Beide wurden ermordet. »Unter den jüngsten Patientinnen und Patienten befanden sich 35 Geschwister-Kinder. Mindestens 425 Kinder und Jugendliche überlebten den Aufenthalt nicht, das ist jetzt gesichert«, berichtet Carola Rudnick. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus drei Pflegeschulklassen wurden inzwischen nahezu 30 Geschwister-Schicksale recherchiert und dokumentiert. Wer mehr darüber erfahren möchte, hat hierzu im Rahmen ihres Vortrages die Möglichkeit, kann sich aber auch im Bildungsarchiv des Gärtnerhauses mithilfe digitaler Angebote durch den aktuellen Forschungsstand zum Thema »GESCHWISTER« klicken.

Unter Einhaltung der geltenden Hygiene-Regeln sind alle geimpften, getesteten und genesenen Interessierten mit einem Mund-Nase-Schutz willkommen. Weitere Informationen unter www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette | Dr. Carola S. Rudnick, »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg e. V. | info@gedenkstaette-lueneburg.de | Tel. 04131 60 883 72

Das Projekt »GESCHWISTER« wird gefördert von Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, von der Partnerschaft für Demokratie Lüneburg im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!« und von der VGH-Stiftung.