Zwei Wochen nach Verkaufsverbot: Landkreis Gifhorn bestätigt Dioxin im Schweinefleisch

Wirtschaft Von Redaktion | am Mi., 17.07.2019 - 19:57

CELLE/GIFHORN. Eine Kontrolle bei einem Schlachtbetrieb im Landkreis Celle hat ergeben, dass bei einem Erzeugerbetrieb aus dem Landkreis Gifhorn eine Dioxin-Höchstwertüberschreitung m Schweinefleisch festgestellt wurde. Entsprechende CELLEHEUTE-Recherchen bestätigt nun, mehr als zwei Wochen nach unserer Berichterstattung und nach mehreren Anfragen um Zuständigkeiten, der Landkreis Gifhorn, nachdem sich sowohl der Landkreis Celle als auch das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium als "nicht zuständig" erklärten.

Bisher sprach der Landkreis Celle von "unbekannten Auffälligkeiten" bei zwei örtlichen Fleischereien, die zum Verkaufsverbot führten, das inzwischen aufgehoben worden sei. Der Landkreis Gifhorn behauptet jedoch, die Informationen gesetzeskonform im offiziellen Portal zu Lebensmittelverstößen gemeldet zu haben. Ein entsprechender Link (siehe unten) geht zumindest derzeit jedoch ins Leere.

Zunächst äußerte sich der Landkreis Gifhorn auf unsere Anfrage weiterhin verhalten. "Der betroffene Betrieb befindet sich im Landkreis Gifhorn. Der Landkreis arbeitet den Fall in enger Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium und dem LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) auf. Der Betrieb darf bis zur abschließenden Klärung Schweinefleisch aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb nicht verkaufen. Die Tiere dürfen auch nicht an einen anderen Hof abgegeben werden", so Dr. Thomas Walter, Erster Kreisrat Gifhorn.

Nach erneuter Nachfrage sagt Walter, unzensiert und unkommentiert:

"Der Landkreis Gifhorn hat aufgrund gesetzlicher Vorgaben das noch vorhandene Fleisch umgehend aus dem Verkehr gezogen. Hierbei hat der Landkreis Gifhorn von Beginn an das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie das LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) eng in das weitere Vorgehen eingebunden und mit den beiden Behörden abgestimmt. Zurzeit wird die Ursache erforscht, wie das Dioxin in das Fleisch gekommen ist. Aus den bisherigen weiteren Probennahmen ist die Ursache noch nicht ersichtlich, sodass eine weitere Ursachenforschung erfolgt und weitere Proben überprüft werden. Seitens des Landkreises Gifhorn und des Betriebes wird dafür Sorge getragen, dass bis zur Klärung der Ursache für die Kontamination kein Fleisch mit einer möglichen Höchstmengenüberschreitung in den Verkehr gebracht wird.

Der Landkreis Gifhorn hat die Öffentlichkeit bereits über das Internetportal „Information zu Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelrecht in Niedersachsen“ informiert (https://www.verstoesse.lebensmittel-futtermittel-sicherheit.niedersachsen.de/startseite/lebensmittel/verstoesse_nach_regionen/gifhorn/ ). Hier erfolgt die Information der Öffentlichkeit gemäß § 40 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 und 2 LFGB (Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch) über die Überschreitung festgelegter zulässiger Grenzwerte, Höchstgehalte oder Höchstmengen und das Vorhandensein nicht zugelassener oder verbotener Stoffe. Dies ist der gesetzlich vorgeschriebene Weg der Information, um die Interessen von Verbraucherschutz und Betrieb angemessen zu berücksichtigen.

Grundsätzlich gilt, dass Lebensmittel nicht in den Verkauf gebracht werden dürfen, wenn sie den gesetzlich festgelegten Höchstgehalt überschreiten. Eine kurzzeitige moderate Überschreitung der tolerierbaren Aufnahmemenge stellt nicht automatisch ein akutes gesundheitliches Risiko dar. Bei Stoffen wie Dioxinen und PCB ist nicht die täglich zugeführte Dosis, sondern die im Körper befindliche Gesamtmenge, also die Körperlast, entscheidend für Auswirkungen auf die Gesundheit.

Dioxine und PCB reichern sich im Körper an, und jeder Mensch nimmt aufgrund der bestehenden Konzentrationen in Lebensmitteln täglich Spuren von Dioxinen und PCB auf (Hintergrundkonzentration). Diese tägliche Aufnahme sollte langfristig nicht über der tolerierbaren Aufnahmemenge liegen, damit auch im Alter keine gesundheitlich kritische Körperlast erreicht wird. Eine kurzzeitige moderate Überschreitung der tolerierbaren Aufnahmemenge, wie in diesem Fall, wirkt sich jedoch kaum auf die bestehende Körperlast aus, sodass akute gesundheitliche Beeinträchtigungen auszuschließen sind. Aus diesem Grund erfolgte auch kein offizieller Rückruf des Schweinefleisches."


https://celleheute.de/landkreis-celle-gibt-fleisch-heimischer-betriebe-nach-untersuchung-wieder-frei/